Einstieg in C# – Eine Buchrezension

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine neue Programmiersprache zu erlernen. Der klassische Ansatz ist die Suche nach einem geeigneten Buch. Das ist anfangs nicht einfach, wenn man von der Sprache keine Ahnung hat und noch weniger, wenn Programmierung ein Fremdwort ist.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle das Buch „Einstieg in C# mit Visual Studio 2017“ von Thomas Theis, erschienen am 27. März 2017 vom Rheinwerk Verlag, vorstellen. Es ist, wie der Titel suggeriert, für Neueinsteiger gedacht.

Einstieg in C# mit Visual Studio 2017
Einstieg in C# mit Visual Studio 2017

Das Buch umfasst 549 Seiten und beinhaltet pauschal betrachtet alle wichtigen Themen von C# unter Visual Studio. Dabei möchte ich auf drei Dinge eingehen:

Sprachgrundlagen

Der Autor versteht es, alle grundlegenden Sprachkonzepte von C# in Text und Bild verständlich darzustellen. Dabei folgt er dem üblichen Weg und fängt mit den Datentypen an, führt anschließend die ersten Steuerelemente ein, um den Begriff der Verzweigungen näher zu bringen, und landet schließlich bei den Schleifen. In Übungen wird das Wissen auf praktische Weise gefestigt. Die Lösungen findet man entweder hinten im Buch oder ist als fertiger Download im Internet zu finden. Das ist vorbildlich.

Objektorientierte Programmierung

Es gibt verschiedene Ansätze Software zu entwickeln. Einer der angesagtesten ist die objektorientierte Programmierung. Zum Beispiel besteht jede Schublade (Objekt) aus einem Material, was eine Eigenschaft (Attribut) wäre. Wenn dann noch definiert ist, wie sie sich verhält, wenn man sie öffnen möchte, hat man eine zugeordnete Verhaltensweise (Methode). Der Mensch kann sich Objekte gut vorstellen. Und genau darauf basiert das abstrakte Konzept.

Der Autor versucht, dem Leser das Thema in nur 55 Seiten näher zu bringen. Das ist definitiv zu wenig. Bemerkbar macht sich das in zahlreichen Abschnitten, wie zum Beispiel dem über Schnittstellen/Interfaces. Auf einer der insgesamt 3 Seiten(!) werden dem Leser zuvor angerissene Konzepte um die Ohren gehauen, ohne dass sich dieser über die Bedeutung des Zusammenspiels im Klaren sein kann. Man wird genötigt, den Text und das auf den beiden Folgeseiten erläuterte Beispiel mehrmals zu lesen, nur um sich anschließend zu fragen, wozu man das aufgrund fehlenden Verständnisses überhaupt benötigt.

Windows Presentation Foundation (kurz: WPF)

Seit 2006 konkurrieren in Visual Studio bei der Erstellung von Oberflächen zwei Frameworks. Das Jüngere und weitaus Mächtigere ist die WPF. Mit ihr ist es möglich, mit einer beschreibenden Sprache (XAML) das Aussehen zu bestimmen, ohne auch nur eine Zeile in C# schreiben zu müssen. Das hat den Vorteil, dass sich ein Designer ausschließlich um den Entwurf der Oberfläche kümmern kann, während der Programmierer sich gleichzeitig und unabhängig davon auf die Programmlogik konzentriert.

Und gerade dieses Thema wird in dem Buch nur stiefmütterlich behandelt. Es geht sogar meines Erachtens das didaktische Konzept verloren. Visual Studio schlägt zum Beispiel bei neuen Oberflächen standardmäßig das Grid vor. Das nicht als Erstes zu erwähnen, sondern stattdessen (kurz) auf das StackPanel und gar auf das Canvas einzugehen, ist ungeschickt. Zumal gerade Letzteres tunlichst vermieden werden sollte, da dieses streng genommen nicht in das WPF-Designkonzept passt.

Schlagwörter
Schlagwörter

Apropos Schlagwörter: Wenn es darum geht auf überschaubarer Seitenanzahl möglichst viele davon unterzubringen, damit der Index gefüllt wird, hat der Autor seine Aufgabe mehr als erfüllt. 13 findet man bereits auf den ersten 4 Seiten – Respekt! Da spielt es letztendlich auch keine Rolle, dass er sich der Problematik des Umfangs bewusst ist und eingangs auf ein anderes Kompendium hinweist. Der Leser bekommt keine Lust auf mehr und greift lieber auf Windows Forms zurück, einer toten Technologie.

Fazit

Insgesamt betrachtet stellt das Buch einen gelungenen Einstieg in Visual Studio mit C# dar, trotz der zum Teil harschen Kritik meinerseits. Die Schwerpunkte liegen, wie könnte es auch anders sein, auf den Sprachgrundlagen und relationalen Datenbanken. Die objektorientierte Programmierung und das WPF kommen für meinen Geschmack etwas zu kurz, aber darüber kann man sicherlich streiten. Deshalb folge ich den positiven Bewertungen auf Amazon und spreche für dieses Buch (für Neu- und Quereinsteiger) eine Empfehlung aus.

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